Persönlicher Erfahrungsbericht - Marshall Plan Stipendium

Die Austrian Marshall Plan Foundation vergibt jährlich Stipendien an österreichische Studierende mit exzellenter Studienleistung für Forschungsaufenthalte in den USA (mind. 3 Monate). Die Stipendienhöhe beträgt je nach Aufenthalt bis zu 10.000 Euro.

Die Förderung richtet sich vorrangig an Master- und PhD-Studierende aus naturwissenschaftlichen Fächern.

Das International Office sprach mit Marina Jecmenica, die ein solches Marshall Plan Stipendium erhielt und 2018 am Lawrence Berkeley National Laboratory, California forschte:


Marshall Plan Stipendiatin Marina Jecmenica
Wie haben Sie vom Stipendium der Marshallplan-Stiftung erfahren?

Ich wusste, dass ein ehemaliger Studienkollege während seines Master-Studiums vor ein paar Jahren ein Praktikum in den USA gemacht hat und sich damals für das Marshallplan Stipendium beworben hatte. Ich bat ihn um einige Informationen zum Bewerbungsverfahren und habe mich dann schlussendlich selbst beworben.

Wie sah der Bewerbungslauf aus?

Die Bewerbungsfrist war im Oktober und ich hatte damals ca. drei Wochen Zeit, um alle Bewerbungsunterlagen vorzubereiten. Für eine Bewerbung benötigt man einen aktuellen Lebenslauf, ein Motivationsschreiben und eine kurze Projektbeschreibung der Arbeit, die man in seiner Gastforschungseinrichtung absolvieren möchte. Außerdem ist es sicher vorteilhaft, zwei Empfehlungsschrieben von ehemaligen Betreuern/Professoren einzuholen und diese mitzuschicken. Anfang Dezember wurde ich dann per Post über den Erhalt des Stipendiums informiert und konnte damit anfangen, meinen Forschungsaufenthalt in Kalifornien zu planen.

Was waren Ihre Forschungspläne?

Ich habe 7 Monate am Joint BioEnergy Institute in Kalifornien verbracht und dort in der „Deconstruction Division“ gearbeitet. Während meines Aufenthalts habe ich mitgeholfen, ein Transformationsprotokoll für einen thermophilen, filamentösen Pilz zu etablieren, um damit dessen Cellulase Produktion (Cellulasen = Cellulose-abbauende Enzyme) zu erhöhen. Die enzymatische Umwandlung komplexer Pflanzenbiomasse in ihre kleineren chemischen Bausteine (wie z.B. Glucose), kann als Grundlage für bio-basierte Chemikalien dienen und in weiterer Folge auch als erneuerbare Alternative für fossile Brennstoffe genutzt werden. Besonders die hitzestabilen Varianten jener Enzyme sind heutzutage in der Biokraftstoff-Industrie sehr gefragt.

Wie sah Ihr Aufenthalt aus?

Die ersten Wochen meines Aufenthaltes waren ziemlich stressig, da ich mich erst um eine Unterkunft kümmern und in den Laboralltag einleben musste. In beiden Punkten habe ich allerdings Hilfe von meinen Kollegen bekommen und habe damit sehr schnell Anschluss an nette Leute gefunden. Ein Highlight war sicherlich die Arbeit in einem so modernen und gut ausgestatteten Labor, umgeben von ausgezeichneten Wissenschaftlern aus aller Welt. Bei allen Lab-Meetings, Vorträgen und Präsentationen hatte ich das Gefühl, die neuesten und innovativsten Fortschritte im Bereich der Forschung an Biokraftstoffen aus erster Hand zu erfahren und in diesem halben Jahr konnte ich enormes Wissen in Theorie und Praxis mitnehmen. An den Wochenenden hatte ich Zeit, um San Francisco und die Bay Area zu erkunden und am Ende auch für einen Roadtrip zu den berühmten Canyons.

Am meisten profitiere ich von der Selbstständigkeit, die ich durch diese Auslandserfahrung erlangt habe: Vom Visa-Bewerbungsprozess bis zur Wohnungssuche, dem ersten Arbeitstag und dem großen Abschied. All diese Momente haben mich persönlich sehr bereichert. Außerdem konnte ich durch das Praktikum in Berkeley meinen CV aufwerten und damit eine tolle PhD-Stelle ergattern.

Haben Sie Tipps für Studierende, die sich für so ein Stipendium interessieren?

Ich denke, das wichtigste ist, dass man sich anfangs nicht durch den Bewerbungsprozess abschrecken lässt. Man sollte ausreichend Zeit dafür einplanen (2-4 Wochen) und dann Schritt für Schritt jeden Punkt einzeln durchgehen. Mit ausreichend Zeit und ein wenig Planung kommt man damit in keine Stresssituation und kann eine gute Bewerbung einreichen. Außerdem hat man an der Universität Wien wirklich sehr kompetente und hilfsbereite Ansprechpartner, die man zu jedem Zeitpunkt des Bewerbungsverfahrens für das Marshall Plan Scholarship um Hilfe bitten kann und sollte.

Dieses Stipendium bietet eine hervorragende Möglichkeit für alle Studierenden, die schon immer ein Forschungs-Praktikum in den USA machen wollten.